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Mittwoch, 22. Juli 2015, 00:23

Hat die S-Bahn München Vorteile bzw. Besonderheiten, wenn man dort Lokführer ist?

Gibt es bei der Sbm irgendwelche Vorteile die andere Stellen wie z.B. DB Fernverkehr. DB Regio, DB Schenker usw nicht haben? Würde mich mal interessieren. Egal ob man in der Ausbildung ist oder schon fertiger Lokführer.

Gruß Auel

Beruf: Lokführer, ex-EiB '10

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Mittwoch, 22. Juli 2015, 17:54

Servus,

ich denke nicht, dass das so einfach zu beantworten ist. Das ist sehr stark abhängig von den persönlichen Vorlieben. Und es gibt bei jeder Form des Eisenbahnverkehrs immer Liebhaber und welche, die das nicht nachvollziehen können. Aber ich versuche mal, eine möglichst genaue Auflistung, der typichen Alltagsabläufe zu zeigen:

S-Bahn:
- man fährt nie wirklich weit weg, speziell in München bist du auf über 400 km Netz unterwegs, aber immer im Großraum München, das kann bei (Groß-)Störungen vorteilhaft sein
- man ist sehr nah am Kunden dran, weil man in der Regel der einzige Mitarbeiter auf dem Zug ist
- man hat sehr viele, teils recht kurze Zugfahrten
- mit der Zeit kennst du dein Streckennetz wie kaum ein Lokführer einer anderen Verkehrsart, das entspannt im Alltag
- die Anzahl der unterschiedlichen Fahrzeuge im Alltag ist begrenzt, je nach Netz ca. 1-3 unterschiedliche Baureihen möglich, sehr selten sind Lok-Wagen-Züge
- Auswärtige Ruhen bzw Übernachtungen gibt es nicht, man macht am Ende jeder Schicht wieder Feierabend in München

Regionalverkehr:
- je nach Verkehrsunternehmen (auch in Hinsicht auf private EVU durch Ausschreibungen) befährt man ein größeres oder kleines Netz, das ist teils stark unterschiedlich, sehr weit weg ist man in der Regel aber auch selten
- meist etwas längere Zugfahrten am Stück, durchaus auch mal 2 Stunden, recht wenige einzelne Fahrten am Tag
- auch hier ist man sehr nah am Kunden, in den meisten Fällen dürfte ein Zugbegleiter auf dem Zug sein, aber zu zweit seid ihr die Ansprechpartner für die Fahrgäste
- auch hier wirst du dein Streckennetz recht flott gut kennen, das ist eben stark abhängig davon, wo man arbeitet
- je nach Netz auch hier ein unterschiedlicher Umfang von Baureihen, Triebzüge sind hier schwer in Mode, aber es fahren noch viele Lok-Wagen-Züge
- Übernachtungen sind durchaus möglich, abhängig von der Dienststelle und deren Schichten

Fernverkehr:
- teilweise (je nach Einsatzort) ein sehr großes Netz, welches man befährt, in der Regel aber immer gleichbleibend, man muss sich auf ca. 1000-1500 Streckenkilometern zurechtfinden, bei Großstörungen kann es schon mal sein, dass man 400 km von Zuhause strandet
- oftmals nur 2-4 Zugfahrten am Tag, weil aber meist sehr weit und lang, auch zwischen den Halten
- der Einsatz am Kunden ist eher sporadisch und meist auf den Bahnsteig begrenzt, dafür steht dem Kunden meist ein ganzes Team an Zugbegleitern und Gastronomen zur Verfügung
- teils sehr unterschiedliche Baureihen im täglichen Einsatz, da deutschlandweit unterschiedliche Fahrzeugflotten unterwegs sind
- Übernachtungen und auswärtigen Ruhen im Hotelzimmer gibt es je nach Einsatzort recht häufig, da kann man schon mal über 24h außer Haus sein

Güterverkehr:
- je nach EVU (im GV gibt es sehr viele private Unternehmen) befährst du teilweise wirklich halb Deutschland, oftmals werden Strecken auch nach kurzfristigem Bedarf befahren
- durchaus auch sehr weite Zugfahrten bei nur gemächlichem Tempo, immer wieder Aufenthalt auf Bahnhöfen, weil schnellere Züge überholen sollen, Fahrpläne sind für DB Netz gefühlt oft nur ein Vorschlag und nicht verbindlich
- wie auch im Fernverkehr beschränkt sich der Einsatz auf wenige, aber lange/längere Zugfahrten (auch zeitlich) am Tag
- der Einsatz am Kunden findet nicht statt, höchstens bei der Übergabe von Wagen, dadurch ist man praktisch immer alleine unterwegs
- Triebzüge gibt es nicht im Güterverkehr, dafür aber oft sehr unterschiedliche Lok-Baureihen
- Übernachtungen im Hotel gibt es auch recht häufig, manche private EVUs schicken Mitarbeiter mehrere Tage am Stück auf Reise durch Deutschland, ehe sie wieder heim dürfen oder können

Ich hoffe, damit eine halbwegs vernünftige Aufzählung hinbekommen zu haben nach bestem Wissen und Gewissen. Ich habe versucht, so objektiv, wie möglich zu schreiben.
Ich selbst habe bei der S-Bahn München meine Lehre gemacht (die ich in vielerlei Hinsicht wirklich immer in Erinnerung behalten werde, weil es so mit die beste Zeit meines Lebens bisher war) und bin danach zum Fernverkehr gewechselt. Dafür hatte ich meine Gründe, weil ich dementsprechend andere Vorlieben entdeckt habe. Auch, wenn viele meinen, es gäbe nur das einzige wahre bei der Eisenbahn und das wäre xxx, das ist nicht wahr. Jeder muss für sich entdecken, was ihm am meisten liegt. Dazu gehört auch Toleranz denen gegenüber, die eben eine andere Meinung haben. Auch, wenn (wie bei mir) viel Spott entgegengebracht wird, weil man zum Beispiel zum "ach-so-tollen Fernverkehr" (ja, hört man von einigen Kollegen) wechselt: da muss man drüber stehen.

So viel dazu, was mir dazu gerade einfiel. Kannst gerne noch Rückfragen stellen, wenn du welche hast :)

Gruß,
Benedikt
Gruß,
Benedikt